The Great Pyramid
~ Amenti Rama ~

Carlos Castaneda -Die Kunst des Träumens-
- Auszüge -


Don Juan: all dies, was wir wahrnehmen, ist energie. aber weil wir energie nicht unmittelbar wahrnehmen können,
konditionieren wir unsere wahrnehmung in der weise, daß sie sich einer form anpasst. diese form ist der
soziale teil der wahrnehmung, den du abtrennen musst.
C.C.:      warum sollte ich ihn abtrennen?
Don Juan: weil er den umfang dessen, was wir wahrnehmen können, willkürlich einschränkt und uns glauden macht, dass
die form, in die wir unsere wahrnehmung pressen, das einzige sei, was es gibt. wenn der mensch heute überleben
will, davon bin ich überzeugt, wird er die soziale grundlage seiner wahrnehmung verändern müssen.
[...]
C.C.:      wie aber sollten wir die welt wahrnehmen?
Don Juan: alles ist energie. das ganze universum ist energie. die soziale grundlage unserer wahrnehmung sollte die physische
gewissheit sein, das es nichts andres gibt als energie.
[...]
die zauberer der vorzeit sahen das energetische wesen des menschen. sie hätten nämlich in der leuchtenden kugelgestalt des
menschen ein besonderes merkmal gefunden: einen runden fleck von stärkerer leuchtkraft, nicht größer als ein tennisball, und
immer im inneren der leuchtenden kugel lokalisiert und von deren glanz überstrahlt - etwa ein meter hinter dem rechten
schulterblatt des betreffenden.
[...]
C.C.:      also, was macht der montagepunkt?
Don Juan: nun, er macht, das wir wahrnehmen. die alten zauberer sahen, dass an diesem punkt die wahrnehmung des menschen
      zusammengesetzt, sozusagen montiert wird. und da die alten zauberer sahen, dass nicht nur menschen, sondern alle             lebewesen solch einen leuchtenden punkt haben, vermuteten sie, dass die wahrnehmung generell an diesem punkt                   stattfindet, wie auch immer.
C.C.:      was sahen die alten zauberer? und wieso kamen sie zu dem schluß, dass die wahrnehmung im montagepunkt                   zusammengesetzt wird?
Don Juan: sie sahen erstens, dass unter millionen leuchtenden fäden, die durch die leuchtende kugelgestalt hindurchgehen, nur       ein kleiner teil direkt den montagepunkt schneidet. [...]
sie sahen zweitens, dass der montagepunkt immer von einer weiteren sphäre glühender leuchtkraft umgeben ist, ein weniger größer als er selbst, wodurch das licht der direkt durch diese glut hindurchgehenden fasern ganz wesentlicht verstärkt werde. und schliesslich sahen sie noch zwei dinge: zum einen, dass der montagepunkt eines menschen sich von der stelle lösen kann, wo er normalerweise lokalisiert ist; und zum anderen, dass wahrnehmung und bewusstsein, solange der montagepunkt in seiner gewohnten position ruht, anscheinend normal sind (individuell) [...]
wenn aber der montagepunkt und die ihn umgebende glühende sphäre sich in einer anderen als der üblichen position befindet, scheint ihr ungewöhnliches verhalten zu beweisen, dass ihr bewusstsein anders beschaffen ist; dass sie wahrnehmungen ungewöhnlicher art haben. [...]
je größer die verschiebung des montagepunkts aus seiner gewohnten position, desto ungewöhnlicher ist das daraus folgende verhalten - und offenbar auch die daraus folgende bewusstheit und wahrnehmung.[...]

      nachdem die alten zauberer sahen,[...]dass millionen von fasern bewusster energie durch den montagepunkt                 hindurchgehen, behaupteten sie, dass diese fasern, indem sie durch diesen punkt hindurchgehen, sich vereinigen -
      zusammengefügt durch die glut der ihn umgebenden sphäre. und nachdem sie sahen, dass diese glut bei bewusstlosen             oder sterbenden menschen sehr schwach ist und bei toten sogar fehlt, waren sie überzeugt, dass diese glut die bewusstheit sei.[...] der montagepunkt und die ihn umgebende glut seien das zeichen von leben und bewusstheit. daraus zogen die zauberer der vorzeit den schluss, dass bewusttsein und wahrnehmung untrennbar zusammengehören und mit dem montagepunkt und der ihn umgebenden glut verbunden sind.
[...]

der verstand [...] sei nur ein nebenprodunkt der gewohnten position unseres montagepunktes. unsere kenntnisse,
unsere logik, unser gefühl, mit beiden beinen auf der erde zu stehen - worauf wir so stolz wären, die ganze basis
   unseres selbtwertgefühls -, ergeben sich aus der fixierung unseres montagepunktes an seinem gewohnten platz. je
starrer und unverrückbarer er sei, desto größer sein unser selbstvertrauen, unserer glaube, die welt zu kennen und
vorhersagen machen zu können.
[...]

zu wissen was man braucht, ist eine kunst - nur das zu nehmen was man braucht, ist eine der höchsten leistungen.
[...]

wir sind hier gelandet, und die fixierung unseres montagepunktes ist so überwältigend stark, dass sie uns vergessen macht, woher wir kommen und was der zweck unseres kommen war.
[...]

alles, was du sagst, ist richtig - solange unserer montagepunkt in seiner gewohnten position bleibt.
aber sobald er über gewisse grenzen hinaus verschoben ist und unsere alltagswelt keine geltung mehr hat,
verlieren all die prinzipien, von denen du sprichst, ihren absoluten wert.